Tag 188, Ashtarak, Armenien

Als ich mir gestern Abend noch ein Bier von der Bar geholt. Der Barmann gab mir zu verstehen, dass er etwas Deutsch kann. Lernt es seit 3 Monaten am Goethe-Institut. Ein sehr ehrgeiziger junger Mann:

Stolz mit seinen Schul-Büchern

Er mag die deutsche Geschichte, besonders die Jahre 1939 – 1945. Hmm. Meine Schüler interessieren sich auch für diese Zeit.
Und er fragt, ob ich die Musik von Richard Wagner mag. Naja. Dann werden mir Hitler-Reden von you-tube vorgespielt. Im Hintergrund der Reden läuft eine süßliche Musik. Der Reichskanzler ätzt derweil gegen Demokratie und Juden. Der junge Mann hat ein Problem. Und er wird das lesen, da ich ihm meine Anschrift gab. Wenn ich vorhin ihn als ehrgeizig beschrieb, dann im positiven Sinn! Sehr zielstrebig.

Und beim Frühstück lese ich in einer whatsapp, dass meine Schulfreundin Kerstin lebt! Sie hatte kein Internet und es ging ihr nicht sonderlich. Egal! Wir treffen uns um halb 12 vor dem Hotel. Ihr Freund begleitete uns zu einem Cafe. Es ist wunderbar! Kerstin ist erst einmal wieder für ein Jahr im Land als Deutschlehrerin. Haben über 3 Stunden soviel zu quatschen gehabt, dass ich völlig vergessen habe, ein Foto zu machen. War ein schöner Tagesauftakt.
Gleich hinter der Stadtgrenze fahre ich an einem mondänen Haus vorbei. Bei der nächsten Möglichkeit machte ich kehrt:

Grundstücksgrenze

Hauptsichtachse

Was ist das?

Als ich an einem verschlossenen Tor stand, kam ein Typ zu mir, der so aussah, wie ich mir Bodyguards vortstelle. Aber, er meinte sehr nett, ich könne von draußen Fotos machen. Ich: Ist das ein Hotel! Er: Nein, das ist ein Haus. Ich: Da wohnt jemand? Er: Ja.

Welche Verbrechen muss man begangen haben, um sich ein solches Haus zu bauen?


Im Vergleich mit Georgien ist Armenien das eindeutig ärmere Land. Nicht mehr Bettler, aber mehr sanierungsbedürftige Wonhäuser und Unmengen an, aus Sowjetzeiten stammende Lada. Und viele sind Schrottmühlen. Aber natürlich auch die „Seht her!“-Autos.
Kurz vor meinem Ziel Baustelle auf der Brücke: 30er Zone. Ich fahre 40, hinter mir Polizei. Wieder 4spurig, signalisierte man mir, zu halten. Routine, dachte ich. Merkt aber bald, dass es besser sei zu zeigen, dass ich etwas Russisch kann. Denn: Anscheinend reicht mein Schein, den ich bei der Einreise bekam und ich um die 50 € zahlen musste nicht aus. Ich dachte bisher, das sei meine KFZ-Versicherung. Der eine Polizist sagte immer wieder: „Strachowka“ Und zeigte mir einen Bußgeldkatalog: 100000 Dram – 180€. Ich beklagte mich, dass mir niemand an der Grenze von einer solchen Notwendigkeit sagte. Ich verwies immer auf meinen Zettel. Man war gnädig.(?) Ich solle im nächsten Ort das Teil besorgen, gibt es da und da. Ich schreibe mir die Worte auf.
Dann kam Teil 2: Mir wurde ein Video gezeigt. Beginn der Baustelle vor der Brücke: 30 sind erlaubt, ich hatte noch 70 drauf. Wieder Katalog: 45000 Dram, 80€. Ich sah das ein, merkte an, dass ich zu spät gebremst hätte, entschudigte mich. Musste 20000 Dram abdrücken, 35€. Ein Formular wurde ausgefüllt, ich unterschrieb. Eine Quittung bekam ich nicht. Konnte weiterfahren.
Waren die nun nett oder bin ich abgezockt worden? Habe für mich beschlossen, dass ich diese beschissene (sorry) Strachowka für die letzten Tage im Land nicht kaufen werde. Habe aber keine Ahnung, was ich da an der Grenze gekauft habe.

Mein Zimmer.

Blick vom Balkon

Bin dann mit dem Auto in den Ort:

Künstler bei der Arbeit

7. Jh.

innen

Im Vordergrund werde ich zu Abend essen.

Chicken-Sandwich, hatte ich NICHT bestellt. Egal.

Bin auf der Anlage völlig allein! Das Personal schläft zu Hause.
Ist ein richtiger Protzbeu. Morgen Bilder.